Da ist es!

Mein zweites Buch ist raus. Vicki Baum – So herrlich lebendig. Der Name sagt euch nichts? Umso besser, denn in dieser Romanbiographie gibt es sehr viel zu entdecken. Vicki Baum war die erste Bestseller-Autorin in Deutschland, ihr Roman „Menschen im Hotel“ wurde mit Greta Garbo und Joan Crawford in Hollywood verfilmt:

 

Und das Leben der Autorin birgt mehr als genug Stoff für einen Roman*, denn vom Wien der Jahrhundertwende bis ins glamouröse Hollywood ist es ein weiter Weg. Vicki Baum geht ihn mit Eleganz und Entschlossenheit. Erst als Harfenistin, dann als Autorin. Das Schreiben rettet sie aus der Tristesse der Provinz und bringt in Zeiten von Revolution und Inflation das Essen auf den Tisch. Als die Ehe mit dem Dirigenten Richard Lert zu kriseln beginnt, geht Vicki nach Berlin und arbeitet im Ullstein-Verlag als Redakteurin und Mädchen für alles. Sie findet es herrlich, atmet den Duft der großen Welt und avanciert schnell zum Shootingstar der Neuen Sachlichkeit.

vicki-baum-so-herrlich-lebendig-romanbiografie-978-3-451-06817-1-49588Vicki Baum ist überall, bei jedem Event, jeder Premiere, jeder Großveranstaltung und vor allem regelmäßig in den Magazinen zu sehen. Ihre Romane steigern die Auflage der Berliner Illustrierten Zeitung wie kein Zweiter. Als „Menschen im Hotel“ in Hollywood verfilmt wird, fährt Vicki Baum hin und verliebt sich auf den ersten Blick in das Land. Dort, beschließt sie, will sie leben und ihre Kinder aufziehen. Sie holt Mann und Kinder hinterher und ist eine der ersten bekannten Deutschen in Pasific Palisades – nur wenige Monate bevor in Deutschland die Nationalsozialisten an die Macht kommen.

Hier nochmal der Titel in all seiner Pracht:

 

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

*was zu beweisen war

Hier geht es übrigens zur Leseprobe. 

#FrauenlebenamFrauentag

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Wie leben Frauen eigentlich im 21. Jahrhundert? Was tun sie? Womit verbringen sie ihren Tag? Im letzten Jahr habe ich am Weltfrauentag eine kleine Blogparade gestartet und Frauen aufgerufen, diese Fragen zu beantworten. In diesem Jahr ist mein neues Blog noch ganz jung und meine Tage sind so voll, dass ich mir erst im letzten Moment Gedanken über den Kampftag machen konnte. Ich dachte mir, wenn auch keiner mitmacht, wiederhole ich hier für mich meine Aktion und schreibe über meinen Alltag. So sieht ein ganz normaler Tag bei mir aus:

Der Punkt krabbelt früh in mein Bett, schon gegen 2 Uhr. Ich versorge ihn schnell mit Nasentropfen und wechsele kurz darauf ins Kinderzimmer, weil der junge Mann quer im Bett liegt. Dort schläft es sich gut bis der Punkt um 6.25 Uhr vorbeikommt, um ein Taschentuch zu holen. Der Mann ist unterdes schon aufgestanden, ich schaue schon mal bei Twitter und Facebook rein und stelle auch gleich fest, dass heute Weltfrauentag ist. Die geschätzte Melanie von glücklich scheitern erinnerte sich ebenfalls an meine Aktion vom letzten Jahr und bestärkt mich in meinem Ansinnen, das Thema Frauenleben noch einmal aufzugreifen.
Das Feministische Netzwerk ruft zum Streik auf. Darüber denke ich nach. Was würde ein Streik für mich, meinen Tag, unsere Familie bedeuten? Ich arbeite freiberuflich, das würde schon mal niemand bemerken, ob ich arbeite oder nicht. Der Mann ist im Büro und das Kind im Kindergarten. Ich werde es am Nachmittag. Streiken ist nicht drin. Wenn dann müsste ich andere Frauen für mich einspannen und das wäre doch irgendwie albern. Was soll das also? Je länger ich drüber nachdenke, desto weniger verstehe ich es. Wer wäre Adressat eines solchen Streiks? Streikt tatsächlich jemand? Ist das System Familie nicht viel zu fragil, arbeiten nicht alle miteinander viel zu hart daran, den Alltag hinzukriegen, als das der mutwillige Ausfall einer Person alles Wanken bringt?

Ich für meinen Teil stelle fest, dass mein Leben ohnehin viel zu unsichtbar wäre für einen Streik. Ich beschränke mich also darauf, ein rotes Blüschen zu tragen. Der Mann kommt aus dem Bad, gratuliert zum Frauentag und entschuldigt sich, dass er seinen »Prague-Drinking-Team«-Pulli leider nicht im Büro anziehen kann. Das einzige rote Kleidungsstück in seinem Besitz. Das verstehe ich natürlich, obwohl mir die Vorstellung gefällt, wie er mit den Kollegen über Ungleichheit und Ausgrenzung von Frauen diskutiert.

Solidarität

Dem Punkt ziehe ich einen roten Pulli an und erklären ihm, dass wir heute etwas Rotes tragen, weil wir uns wünschen, dass alle Menschen gleich und niemand unfair behandelt wird. Er findet die Situation traurig, auch dass Papa gar nichts Rotes zum Anziehen hat. An der Tür staune ich über meinen großen Jungen und wir plaudern über einen Schultornister, den er irgendwann einmal bekommen wird. Dann sind die beiden weg und ich setze mich an den Schreibtisch, lese einige Artikel über den Weltfrauentag, kündige meinen eigenen Beitrag an und mache mich dann an die Arbeit. Ich recherchiere gerade für mein nächstes Buch. Wieder eine Romanbiographie.

Gegen Mittag wasche ich ein paar Hemden. Der Mann hatte angeboten, es selbst zu tun, aber was solls. Inzwischen ist es duster geworden. Es regnet. Die Stimmung sinkt. Zum Mittag-Snack stromere ich wieder durch Facebook und Twitter, die ganzen Geschichten, die Solidarität, auf umstandslos ein Artikel über Beziehungsgewalt. Das zieht runter. Die Katze ist auch ganz verrückt.

Sichtbar sein

Für den Nachmittag richte ich meine Autoren-Facebook-Seite ein. Auf Anhieb folgen mir Leute und ich freue mich. Ich gehe zum Kindergarten, ziehe das Kind fürs Taekwondo um, gehe wieder nach Hause. Ein halbes Stündchen. Fange an, diesen Artikel zu schreiben, dann muss ich auch schon wieder los. Die frische Luft tut gut, auch wenn es noch immer regnet. Vor der Turnhalle unterhalte ich mich mit anderen Eltern. Eine Mutter fragt mich nach meinem neuen Buch. Ich erzähle ihr, dass ich mein druckfrisches Exemplar dieser Tage erwarte. Der Erscheinungstermin ist der 20. März. – Das passt heute alles schön zusammen. Bei aller Unsichtbarkeit eben doch ein wenig sichtbar werden.

Ich scheuche das Kind durch den Regen zum Supermarkt. Kein Konsumboykott für uns, auch wenn wir nur zwei Utensilien fürs Abendessen kaufen. Dann nach Hause, wo den Punkt eine kleine kreative Überraschung erwartet. Ich koche das Abendessen. Was soll’s. Vegetarische Bolognese und Spaghetti. Lieblingsspeise meiner Lieblingsmenschen. Beim Abendessen erzählt der Punkt, was er heute über die Taufe gelernt hat und diskutiert, ob es Laserschwerter wirklich gibt, ob Darth Vader der Anführer der Bösen ist und fragt, wie der Imperator aussieht.  Und wie hieß nochmal der Grüne? Und der Braune? – woher er die ganzen Figuren kennt, wissen wir nicht. Das geht wohl im Kindergarten rum.

Jetzt setzt hier gleich der Abendwahnsinn ein. Meine Protestenergie ist so gut wie aufgebraucht. Ich werde mich wohl auch bald hinlegen. Mit einem Buch oder mit Netflix. Mal schauen.

#Weltfrauentag 

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Schon seit ein, zwei Wochen schaue ich nach Veranstaltungen zum Weltfrauentag. Zum Body*talk hab ich es nicht geschafft. In meiner Stadt gibt es keine Demo und so bleibt mir nur, online mein Gesicht zu zeigen.

Das feministische Netzwerk ruft zum Streik auf. Aber wie soll das gehen? Für Alu und Christiane ist es ein schauriges Gedankenspiel. Ein Tag oder gar ein Leben ohne Frauen, niemand kümmert sich, verlotterte Kinder, Einsamkeit. Aber wie sähe es hier bei uns aus. Was wäre, wenn ich heute nicht da wäre? Bliebe das Kind sich selbst überlassen? Würde das Geschirr, die Wäsche, der Müll sich stapeln und wen kümmerte das? Der Mann ist solidarisch, das Kind nicht Zielgruppe dieses Streiks.

Darum streike ich nicht. Aber ich bin solidarisch. Ich spreche mit den Müttern beim Taekwondo über den Frauentag, ich kaufe (wahrscheinlich) nichts ein – auch wenn ich unsicher bin, was das nun tatsächlich bringen soll, wenn wir einen Tag aus dem Vorratsschrank leben.

Und ich möchte auch in diesem Jahr meinen Tag im Detail festhalten, so wie wir es im letzten Jahr schon gemacht haben. Denn wenn das Private politisch ist, dann sollten wir einen Blick auf den Alltag werfen. So sieht Frauenleben 2017 aus, in Deutschland, in der Großstadt, in der Mittelschicht, im drei-Personen-Haushalt, als Mutter, Tochter, Ehefrau und Mensch. Ein ganz normaler Tag.

Habt Ihr Lust mitzumachen? Dann verlinkt doch eure Beiträge zum #FrauenlebenamFrauentag und hinterlasst mir einen Kommentar.

Abenteuer Freiheit

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Gestern lud die Friedrich Ebert Stiftung Interessierte zu einem »Gespräch über westlichen Werte und ihre Bedrohung durch Populismus und Extremismus« ein. Genau was ich gesucht hatte: Mit etablierten politischen Organisationen über die Gefahr des Populismus diskutieren, mir Klarheit über Positionen verschaffen, Informationen erhalten, mitmachen. Also nahm ich die nicht unwesentlichen Mühen auf mich, an einem Wochentag zur Kinderbetreuungszeit nach Düsseldorf zu fahren.

Ernüchterung schon beim Eintreten. Das Publikum sah schon mal nicht so aus, als würden wir unbedingt die gleichen Werte teilen. Nun ja. Abwarten, dachte ich mir, suchte mir einen Platz und hörte mir den ausschweifenden Begrüßungssermon an. Offenbar sind zwar alle Genossen gleich, aber die Genossen Honoratioren müssen besonders hofiert werden. Svenja Schulze, Ministerin für Wissenschaft, Innovation und Forschung in NRW, sprach persönliche Begrüßungsworte. Sympathisch.

Und dann ging es endlich los. Prof. Dr. Carlo Strenger, ein erfahrener Entertainer im akademischen Metier, referierte aus seinem Buch »Abenteuer Freiheit – Ein Wegweiser für unsichere Zeiten«. Es ging da vor allem um Freiheit. Die individuelle Freiheit und die freiheitlich-demokratische Ordnung. Seine Strategie: Runter vom Sofa. Raus aus dem Elfenbeinturm. Alle müssen sich einsetzen. Demokratie lebt vom Mitmachen. Glück ist kein Grundrecht. Auf zum Kampf für unsere Werte.

Die Revolution lässt auf sich warten

Das ist nun keine neue, revolutionäre Botschaft, aber vielleicht ist es wichtig, das jetzt wieder zu hören, sich bewusst zu machen. »Unsere Werte sind nicht verhandelbar!« Ein schönes Schlagwort. Leider verlor sich Strenger dann im Geschwurbel über Political Correctness.

Professor Dr. Thomas Meyer, der den Gegenpart in der Debatte übernahm, gab sich als Wohlfahrtsstaat-Sozialdemokrat, im Vergleich zu Strenger weniger beweglich, aber gewinnend. Er brachte die Frage von Autonomie (die viele nicht mehr empfinden) und Ressourcen (um die viele fürchten) auf. Leider nur als Problemstellungen, keine Lösungsvorschläge. Stattdessen schweifte das Ganze immer wieder ab, höchst akademisch, zu Kant, zu Heidegger, zu Sarte und den Wandel der Freiheitsbegriffe.

Ich wunderte mich derweil mit Blick auf die Uhr, dass die Debatte nicht fürs Publikum geöffnet wurde. Auf der Bühne ging es inzwischen um die Bedürfnispyramide nach Maslow. Der wichtige Aspekt, dass Menschen sich in ihrem Selbstwertgefühl verletzt fühlen, verunsichert sind und um ihre Sicherheit fürchten, wurde nur angeschnitten, obwohl meiner Meinung nach, hier der Knackpunkt liegt. Hier würde ich ansetzen und fragen, warum ist das so und was kann man da machen?! Und zwar möglichst bevor sich der Wunsch nach einer Heilslehre weiter ausbreitet und eine neue totalitäre Herrschaftsform die westlichen Werte hinwegfegt.

Diskussion – ja oder nein?

Das Publikum war mittlerweile unruhig und setzte unaufgefordert zu Fragen an, forderten die Gewährleistung sozialer Sicherheit, eine überzeugendere Politik, einen selbstkritischen Umgang mit dem Gleichheitsgebot, das die Sozialdemokratie seit den 70ern nicht zu verwirklichen in der Lage ist. Viele Statements, wenige Fragen. Offensichtlich ein Bedürfnis zu diskutieren, für das diese Veranstaltung aber keinen geeigneten Rahmen stellte.

Ich bin nämlich tatsächlich überzeugt, dass die Menschen, zumal diejenigen die dort waren, bereit sind, sich einzusetzen und mitzumachen bei der Demokratie. Viele suchen, vielleicht genau wie ich, einen Ansatzpunkt. Das Problem scheint mir zu sein, dass der Kontakt zu Betroffenen fehlt. Natürlich kann man sich einen Abend lang in den akademischen Zirkus setzen und die großen, erfolgreichen (weißen, alten) Männer reden lassen, aber ändern wird das nichts. Und wenn Strenger die Veranstaltung mit den Worten abschließt: »Wir müssen uns daran gewöhnen, dass nicht alle gewinnen können!« – dann spüre ich den neoliberalen Schlag ins Gesicht. Mit solchen Sprüchen wird man nicht gewinnen, da kann der Genosse Martin sich als Heilbringer inszenieren, soviel er will.

Exposé versendet

img_3596Der Mann ist heute den letzten Tag zu Hause, der Punkt macht eine komische Phase durch, in der sehr viele Tränen fließen und Türen knallen und ich habe es endlich geschafft, mein Exposé für Buch 3 an den Verlag zu schicken.

Das ist ja immer so eine komische Sache: ich habe eine Aufgabe, mache mich ran sie zu erledigen, dann kommt was dazwischen (in diesem Fall ziemlich viele Erkältungen und ein Programm-Absturz, der die Arbeit eines Tages ins Nirvana riss). Ich schiebe die Aufgabe vor mir her, schaue mit einem Auge drauf, mache dann aber doch lieber erstmal was anderes, irgendwas steht ja immer an – und so ziehen die Tage ins Land und die Wochen, bis es schon fast lächerlich ist.

Irgendwann MUSS ich mich dann aber wieder ransetzen und siehe da, mit ein paar Stunden intensiver Arbeit, schreibt sich das Exposé fast von alleine. Denn ich weiß ja, was ich machen will. Und das wird spannend!

Im März werde ich: 

img_2241Alte Traditionen halte ich natürlich gerne aufrecht. Darum erzähle ich euch sehr gerne, was ich im März alles tun werde. Manches hat sogar mit Aufstehen zu tun.

 

den Geburtstag einer lieben Freundin feiern

eine Archivreise planen

Referate über Rechtspopulismus hören

den Geburtstag eines Menschen feiern, dessen Geburt ich schon miterlebt habe

über den Punkt im Kindergarten sprechen

Waffeln essen

ein Exposé einreichen

über Medien und Rechtspopulismus diskutieren

eine Vergnügungsreise planen

einen Agatha Christie Roman diskutieren

ein Seminar übers Ehrenamt besuchen

Die Idee stammt bekanntlich von Carola

Willkommen zurück

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Ich bin zurück. Nicht mehr als Momatka oder Dr. Mura, sondern ganz offiziell und öffentlich. Als ich. Yvonne Schymura. Autorin, Historikerin, Agenturchefin, Mutter, Ehefrau, Schwester, Freundin, Tochter und was weiß ich. Der alte Blog ist offline, denn in der Anonymität schreibt es sich anders und so wird sich im neuen Blog auch ein bisschen was ändern.

Nichts ist mehr so leicht wie vor fünf Jahren. Und damit meine ich keineswegs das Muttersein, denn das ist wundersamerweise tatsächlich leichter geworden. Ich meine das Menschsein, das Bürgerinsein. Niemals hätte ich gedacht, dass Demokratie und Menschenrechte, dass der allgemeine Anstand so fragil ist. Niemals hätte ich geglaubt, dass so viel Missgunst und Verachtung in den Menschen lauert, dass man den anderen nicht das gleiche Leben gönnt, das man selbst hat, auch wenn es einen gar nichts kostet*.

»Demokratie lebt vom Mitmachen!« heißt es und mir fällt diese Textstelle aus einem Brief von Käthe Kollwitz ein, die im Februar 1944 schrieb: »Der Pazifismus ist eben kein gelassenes Zusehn, sondern Arbeit, harte Arbeit.«

Wir hatten bisher Glück  und konnten für Demokratie und (gesellschaftlichen) Frieden andere arbeiten lassen. Natürlich sind wir hin und wieder zu Demos gegangen, haben diskutiert, waren bei Attac und Greenpeace. Ich fürchte nur, heute reicht das nicht mehr. Heute müssen wir aufstehen und wirklich etwas tun.

Was genau, bleibt fraglich. Zumindest mir.

Aber aufgestanden bin ich schon mal.

 

* Dass es doch etwas kostet, nur nicht uns Mittelständlern, darüber denke ich noch nach…